Lessingstr. 3
47226 Duisburg
  sekretariat[@]lmgrhl.de
  02065-6899811
  iServ »
  Ulmenstr. 38
47229 Duisburg
  sekretariat[@]lmgrhl.de
  02065-892020
  iServ »

Abschied von Klaus Stephan

Liebe Menschen an der LMG und rund um die LMG,

in den letzten Wochen und Tagen sind mir unzählige Ereignisse und Menschen aus den vergangenen 30 Jahren in den Sinn gekommen, ich könnte stundenlang dazu schreiben, aber das würde den Rahmen sprengen. Auf jeden Fall kann und muss ich sagen: Ihr werdet mir fehlen.
Ich werde dieses Gewusel auf dem Schulhof vermissen, die Lebendigkeit der viel zu engen Ulmenstraße, die Kids, die bei mir mit ihrem Flashmob dafür gesorgt haben, dass ich zutiefst gerührt war und durchaus die ein oder andere Träne dabei war.

Ich werde die Großen vermissen, die wir jetzt wieder entlassen haben, strahlende junge Menschen, die jetzt ihre eigenen Wege gehen – unser Ergebnis langjähriger Arbeit.
Wenn du Lehrerin oder Lehrer an einer weiterführenden Schule bist, bist dein Leben lang Pubertätsbegleiter – immer im aufbrechenden Leben mit vielen Sprüngen, Chaos und Überraschungen, aber ich habe das immer gemocht, diese Authentizität und das pralle Leben, das mir da in vielen Jahren begegnet ist. Das hält fit, das kannst du gar nicht altern. Und wenn die jungen Leute dann an dir vorüberlaufen und die Worte „Aura, Aura“ gemurmelt hörst – mehr Anerkennung kannst du kaum kriegen. Ich war gerne euer Begleiter in eurer Entwicklung!

Liebe Eltern, wir waren ja oft gemeinsam Pubertätsbegleitung. Ich habe durch meine eigenen fünf Kinder ein großes Stück Demut gelernt – es ist nicht leicht, zu erziehen und gleichzeitig wachsen und werden zu lassen, den Kindern Werte und Lebenserfahrungen zu vermitteln und sie trotzdem ihren eigenen Weg gehen zu lassen. Und eine Kindheit in Duisburg- Rheinhausen bringt auch ihre Herausforderungen mit sich. Ihr wart in vielerlei Beziehung ein starker Partner unserer Arbeit hier, sei es eben in dieser Erziehungsarbeit, sei es in der Pflegschaft, im Förderverein, in den Fachschaften, oder bei der Gestaltung von Events. Ein großes Danke, auch das wird mir fehlen – selbst die sogenannten Elternbeschwerden wegen Unterrichtsausfall o. ä. – sind sie doch im Letzten Ausdruck des Vertrauens, gehört zu werden und oft Anlass für gute Gespräche gewesen.

Liebe Menschen, die den Rahmen geben, liebe Sekretärinnen, Hausmeister, Reinigungskräfte, liebe Mensakräfte, liebe Mitarbeitende des SSB im Ganztag, liebe Vertreterinnen und Vertreter von Kooperationspartnern (SSB Duisburg, OSC Rheinhausen, Sparkasse Duisburg, Uni DUE, Social Parts Duisburg mit der NoMo Kampagne und viele andere), ihr tragt so viel zum gelingenden Gemeinwesen LMG bei und ich bin sehr dankbar euch als Mitarbeitende und Partner an unserer Seite gehabt zu haben. Ganztagsschule bedeutet viel Lebenszeit miteinander zu teilen. Nur im Ineinandergreifen all dieser Dinge entsteht ein Raum, wo wir als Lehrkräfte gute Lebensbildung machen können.
Liebe Mitarbeitende der Stadt Duisburg, liebe Vertreterinnen der Politik, ich habe das oft spüren dürfen, wie wir vertrauensvoll zusammenarbeiten, wie trotz der Haushaltslage der Stadt bei allen Akteuren immer wieder das Bemühen um Verbesserung der Situation war. Ich erinnere mich an zahlreiche Veranstaltungen bei uns, in der Politik für unsere jungen Menschen zu konkreten und nahbaren Personen wurde – bis hin zu unserer damaligen Bundestagspräsidentin und jetzigen Ministerin sowie jüngst unser Schulministerin. Das ist nicht selbstverständlich, aber war für uns immer ein wertvolles Zeichen. Auch das wird mir fehlen.

Liebe Schulaufsicht, die mich zunächst in die Abteilungsleitung 1 befördert hat, dann in die Stellvertretung und schließlich in die Schulleitung – ihr seid immer kritische aber auch förderliche Begleitung der Arbeit hier vor Ort gewesen – ein Back-Office im besten Sinne. Danke für eure starke Unterstützung und den Austausch auf Augenhöhe – auch das wird mir fehlen. In diesen Kontext gehören auch die vielen kollegialen Treffen mit meinen Kolleginnen und Kollegen in Schulleitung. Ob in der Kooperation der Gesamtschulleitungen oder in den Projekten über Schulformen hinweg – ihr seid mir oft Stütze und wertvolle Gesprächspartner gewesen, denn Schulleitung kann auch manchmal einsam machen – ich denke, ihr wisst wovon ich da spreche. Danke für unsere gemeinsame Zeit!

Behalten werde ich übrigens mein „privates Backoffice“ – meine Frau, meine Geschwister und Kinder, die sich natürlich oft Geschichten aus der LMG anhören mussten und mir wertvolle Unterstützung und Ausgleich waren. Ein großer Dank auch an euch.

Natürlich wird mir „meine Klasse“ – so habe ich Schülerinnen und Schülern gegenüber oft das Kollegium samt der Lernassistentinnen und – assistenten genannt, auch sehr fehlen. Da gibt es viele, oft sehr persönliche Einzelbegegnungen, wo ihr mir tiefes Vertrauen geschenkt habt, wo wir gemeinsam Wege aus manchmal sehr schwierigen Situationen gesucht haben. Da gab es das Ringen um die Entwicklungslinien der Schule, vorrangig mit meinem Leitungsteam, dem ich ebenfalls sehr dankbar bin, hier stets eine loyale und gleichzeitig kritische Unterstützung erleben zu dürfen. Dazu gab unendlich viele Gespräche, manchmal zwischen Tür und Angel, über Musik, aber auch die Gemeinsamkeiten zwischen dem Islam und dem Christentum, über Handball und Fußball (wir sind ja schließlich auch Sportschule!), über die guten Abschlüsse, unserer Schülerinnen und Schüler, über das Älterwerden und alte Zeiten hier in der Schule mitlangjährigen Weggefährten. Einer dieser langjährigen sagte jüngst: „Du warst ja nie ein Herrscher.“ Das klingt in mir nach.
Irgendwie wollte ich auch nie „herrschen“. Schule ist ein Gemeinschaftswerk – nur wenn jeder an seiner Stelle als Klassen- oder Fachlehrerin oder – lehrer oder in der Lernassistenz gute Arbeit macht, ergibt das eine gute Schulkultur. Es freut mich, dass hier an der Lise mit meiner Leitung eine Kultur entstanden ist, die, wie in der NRZ jüngst vermerkt, viele Menschen in Leitung an anderen Schulen hervorgebracht hat. Aber ebenso freut mich, dass so viele junge Menschen hier ihre Ausbildung im Lehramt machen und oft auch hier in feste Stellen übergehen. Einige unserer Schülerinnen und Schüler sind im Lehramtstudium. Eine Kultur wird von allen geprägt – jeder und jedem einzelnen von euch. Das kann kein Schulleiter alleine. Und daher gehe ich mit einem sehr guten Gefühl in meinen Ruhestand. Ihr werdet das, was mir wertvoll war, fortführen. „Write your own story“ steht auf dem neu entstandenen Graffiti hier bei uns. Jetzt seid ihr dran!

Die Lise ist bunt, vielfältig und hier treffen viele Menschen unterschiedlichster Prägung aufeinander. Ich danke euch allen von Herzen für unsere gemeinsame Zeit, für viele Begegnungen und viele schöne Erinnerungen, die bleiben werden. Wenn ich Winnie Pooh zitiere: „Wie glücklich ich bin, etwas zu haben, das mir den Abschied so schwer macht“ – dann seid ihr alle damit gemeint. Ihr habt mir in meiner Abschiedsfeier, in den zahlreichen sehr wertschätzenden Worten zum Abschied, in den Schülervideos, in der Musik, den Aufführungen, den Briefen und Geschenken zur Erinnerung so viel Liebe und Wertschätzung entgegengebracht, dass ich zutiefst berührt bin. Von Herzen danke ich euch dafür.
Allerdings muss ich das auch erst einmal verarbeiten. Es war so viel Schönes auf einmal, das muss „einsickern“. Ich werde mir in den nächsten Wochen noch einmal alle Videos, alle Redemanuskripte und die Bilder in Ruhe anschauen. Genauso werde ich die Geschenke in Ruhe auspacken, nach und nach – werde mich in tiefer Dankbarkeit erinnern. Ihr habt mir auch vorher bereits viel gegeben und geschenkt – das bleibt für immer.

Euch und Ihnen allen zunächst schöne und erholsame Ferien und dann einen guten Start in das neue Schuljahr! Ich wünsche euch allen, dass ihr einmal so wie ich dankbar und stolz auf eure Lebenszeit zurückschauen dürft. Alles Gute für eure Zukunft, ihr fehlt mir jetzt schon!

Herzliche Grüße

Klaus Stephan